"Ja" zu einer neuen ÖPNV-Trasse durch die Holtenauer

Die Landeshauptstadt Kiel plant die Einführung eines neuen und hochwertigen ÖPNV-Systems. Noch ist offen, ob es sich dabei um eine Tram oder ein Schnellbussystem (Bus Rapid Transit, kurz: BRT) handeln soll. Klar ist aber schon jetzt, dass die neue ÖPNV-Trasse durch die Holtenauer Straße führen soll. Dafür haben nun der Verein „Die Holtenauer e.V.“, die Firma Kersig Immobilien und die Landeshauptstadt Kiel eine Zielvereinbarung unterschrieben.

Philipp Kellner
v. l.: Jan Christoph Kersig (Kersig Immobilien), OB Dr. Ulf Kämpfer, Stefan Schneider, Silke Aumann („Die Holtenauer e.V.“) und Carolin Ahrens (Firma Frank).

Eine neue Aufenthaltsqualität

Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Durch das neue ÖPNV-System wird sich nicht nur der Verkehr entlang der künftigen Trassen verändern, sondern ebenso Anlieferung, Bus- oder Bahnfahren, Parken, Radfahren, Einkaufen, Bummeln – kurz das, was Stadtplaner*innen ‚Aufenthaltsqualität‘ nennen. Das kann nur auf der Basis ausführlicher und weitreichender Beteiligung mit allen Betroffenen gelingen.

Die Zielvereinbarung für die Holtenauer Straße liefert dafür eine Blaupause. Nach ihrem Vorbild sind ähnliche Beteiligungsmöglichkeiten auch in anderen Bereichen denkbar, durch die das höherwertige ÖPNV-System führen wird, beispielsweise in Wellingdorf oder der Elisabethstraße.“ Jan Christoph Kersig, Geschäftsführer Kersig Immobilien, erklärt: „Wir sind stolz und froh über die gemeinsame Zielvereinbarung mit der Stadt Kiel. Damit haben wir eine gute Basis für eine nachhaltige Weiterentwicklung des Einzelhandelsstandorts Holtenauer Straße / Arkaden geschaffen.“

Die Basis für eine langfristige Planung

Die Zielvereinbarung berücksichtigt die wirtschaftlichen Nachteile und Nutzungseinschränkungen aus Planung, Bau und Betrieb eines neuen ÖPNV-Systems in der Holtenauer Straße einerseits und macht andererseits die großen Chancen deutlich. Dazu gehören eine bessere Erreichbarkeit, eine Gesamtplanung von Fassade zu Fassade zu beiden Seiten der Straße und die weitere Entwicklung als Flaniermeile.

Diese gemeinsame Zielvereinbarung soll die Basis für die künftige Planung des neuen ÖPNV-Systems durch die Holtenauer Straße sein. Sie bezieht sich auf die Holtenauer Straße vom erweiterten Dreiecksplatz mit anschließenden Straßenzügen einschließlich Brunswiker Straße, Jägersberg, Mittelstraße, Lehmberg, Annenstraße, Jungmannstraße im Süden bis zur Esmarchstraße im Norden.

Durch das neue ÖPNV-System wird sich nicht nur der Verkehr entlang der Trassen verändern, sondern das, was Stadtplaner*innen, Aufenthaltsqualität nennen.

Im Einklang mit Auto, Rad und Fußgänger*innen

In der Zielvereinbarung sprechen sich der Verein und die Firma Kersig Immobilien dafür aus, dass das Streckennetz des neuen ÖPNV-Systems durch die Holtenauer Straße führen und bei einem positiven Beschluss der Ratsversammlung in der gesamten Holtenauer Straße so schnell wie möglich umgesetzt wird. Aus Sicht des Vereins gibt es keine Priorität für eines der beiden Systeme.

Das Auto soll neben dem ÖPNV-System weiterhin ausreichend Platz im Hinblick auf Parkplätze und Anlieferung finden. Gleichzeitig soll ausreichend Raum für Fußgänger*innen und Radfahrer*innen entstehen.

 Eine Straße im Wandel

Die Beteiligten setzen sich für die Herabstufung der Holtenauer Straße von einer Kreisstraße zu einer Gemeindestraße sowie für eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf Tempo 30 ein. Das allerdings muss die Stadt mit dem Land verhandeln, da dort die endgültige Entscheidung liegt. Kiel bereitet derzeit die Gründung einer Projektgesellschaft vor, die u.a. die Planung und Steuerung der Baumaßnahmen für das neuen ÖPNV-System gemeinsam mit der Stadt übernehmen soll.

Ein Ziel ist, ein lokales Baustellenmanagement in der Holtenauer Straße zu schaffen. Es soll Ansprechpartner für Gewerbetreibende und Gastronom*innen und frühzeitiger Informant zum Baustellengeschehen und für Beeinträchtigungen sein.

Was steht noch in der Zielvereinbarung?

Die Zielvereinbarung legt auch den Umgang bei Meinungsverschiedenheiten fest. Die Parteien streben dabei an, stets den Dialog zu suchen, mit dem Ziel, einvernehmliche Lösungen zu finden.

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