"Wir brauchen Tempo!" So arbeiten die Planer*innen
Die Stadtbahnplanung geht voran: Auf Beteiligungsveranstaltungen in den Stadtteilen und in Online-Dialogen können Bürger*innen die aktuellen Entwürfe der Planer*innen diskutieren und Rückmeldungen geben. Was das so besonders macht? Projektleiter Nils Jänig vom Planungsbüro Rambøll im Interview.
- Alexander Zollondz

Nils, du planst die Stadtbahn hier in Kiel, kümmerst dich um Richtlinien, Analysen, bist aber bei Rambøll nicht allein für die Umsetzung des Projektes zuständig. Wie muss man sich die Arbeitsteilung bei euch vorstellen?
Wir arbeiten mit Kolleg*innen aus verschiedenen Disziplinen, etwa aus dem Bauingenieurwesen, Verkehrsplanung, Geographie, Städteplanung, Maschinenbau oder Projektmanagement. Nur so lassen sich die komplexen Herausforderungen an eine interdisziplinäre Verkehrsplanung der Zukunft bewerkstelligen. In der Umsetzung der Stadtbahn hier in Kiel kommt hinzu: Wir brauchen Tempo! Das haben wir zusammen mit den Planer*innen der Stadt Kiel bereits zu Beginn des Projektes festgestellt. Denn klar ist: Der Klimawandel duldet keinen Aufschub. Hinzukommt die hohe Verkehrsbelastung heute. Beides verlangt eine deutliche Beschleunigung bei der Planung. Wir arbeiten deshalb hier im Büro der Stabsstelle vor Ort, fünf Tage die Woche, manchmal mit einem festen Team, oft auch in wechselnder Konstellation.
So ist der Austausch intensiver. Zudem ist die Anbindung an die Stadtverwaltung hier vor Ort enger. Mit den Kolleg*innen von der Stabsstelle diskutieren wir wöchentlich die nächsten Planungsschritte. Mit Kolleg*innen der anderen Ämter haben wir regelmäßige Workshops, um die verkehrlichen Planungsvorschläge in den Streckenabschnitten gemeinsam zu diskutieren. So können sie ihre Expertise einbringen. Das verbessert die Abstimmung ebenfalls. Auch arbeiten wir fast komplett papierlos. Das ist schon besonders, macht aber auch die beschleunigte Planung notwendig.
Bei der Planung der Stadtbahn sind wir jetzt in der Vorplanung. Für jeden Abschnitt werden bis zu drei Variantenentwürfe erstellt. Was bedeutet das?
Den Straßenraum kann man auf verschiedene Art und Weise umgestalten. Die Trasse der Straßenbahn kann man zum Beispiel mittig oder seitlich führen. Ein Radweg kann als Einrichtungs- oder Zweirichtungsradweg geplant werden. Einrichtungsradweg heißt, es gibt einen Radweg auf jeder Seite. Beim Zweirichtungsradweg wird der Radverkehr auf einer Straßenseite ohne Seitenwechsel geführt. Oder es gibt eine Variante mit Grünstreifen und weiteren Parkflächen. Soll heißen: Es gibt viele Möglichkeiten der Straßenraumgestaltung, die Vor- und Nachteile der verschiedenen Optionen entwerfen und diskutieren wir jetzt. Das ist auch der Unterschied zur vorherigen Planungsphase. Vor Fertigstellung der Trassenstudie ging es darum, eine mögliche Streckenführung der Stadtbahn in Kiel zu diskutieren und festzulegen. Jetzt geht es darum, zu diskutieren und zu planen, wie der Straßenraum genau aussehen kann. Dazu soll die Vorzugsvariante, die wir geplant haben, vertieft werden. Es gibt 11 Streckenabschnitte des Gesamtnetzes von 35,8 km Länge. Für jeden Abschnitt werden bis zu drei Varianten der Führung im Straßenraum entwickelt.
"Vor Fertigstellung der Trassenstudie ging es darum, eine mögliche Streckenführung der Stadtbahn in Kiel zu diskutieren und festzulegen. Jetzt geht es darum, zu diskutieren und zu planen, wie der Straßenraum genau aussehen kann."
Was ist bei der Stadtbahnplanung besonders im Vergleich zu anderen verkehrstechnischen Projekten?
Bleibt ein Baum erhalten? Der Parkplatz und die Haltestellen? Wo kann ich Rad fahren? Was ist mit dem Autoverkehr? Ist es gegebenenfalls notwendig in Grundstücke Dritter einzugreifen, was wir natürlich vermeiden wollen. Grundsätzlich geht es bei den verkehrstechnischen Projekten immer darum, den zur Verfügung stehenden Raum innerhalb einer Stadt neu zu bewerten. Sowohl verkehrlich als auch städtebaulich und landschaftsplanerisch. Dafür müssen alle Planungsfaktoren gegeneinander abgewogen werden. Nur ein Beispiel: Die Werftstraße ist gekennzeichnet durch Schwerlastverkehr, dadurch ist eine besondere Mindestbreite von vier Metern Fahrspur für den Autoverkehr Voraussetzung. Außerdem liegt die Straße direkt am Hang und wird gerade zur Premiumradroute ausgebaut. Das schränkt die Vielfalt bei der Planung ein. Bei der Stadtbahn müssen wir, wie bei allen verkehrsplanerischen Projekten, natürlich auch weitere technische und juristische Grenzen bedenken. Zum Beispiel den Lichtraumbedarf der Stadtbahn. Die Fahrzeuge müssen sich sicher bewegen können, sodass seitlich Platz bei Bebauungen, Gegenständen und Pflanzungen freigehalten werden muss. Man sieht: Verkehrstechnische Projekte bedingen immer eine komplexe Kompromissfindung, weil man mehr Interessen, mehr Richtlinien und Abwägungen zusammenbringen muss. Das ist auch das Besondere im Vergleich zu anderen Verkehrsprojekten. Umso wichtiger ist es, den Kompromiss in diesem sehr intensiven Prozess wertzuschätzen.
"Die Bürger*innen sind die Experten in ihrem Stadtteil und kennen daher Details, worauf wir bei der Planung achten sollen. Die Ideen und Wünsche nehmen wir dann für den weiteren Prozess auf und prüfen diese."
Wie können sich die Bürger*innen denn einbringen?
Wir haben uns dafür entschieden, die Bürger*innen umfassend zu beteiligen, so wie schon in der Trassenstudie. Was bei einem so komplexen Projekt wie der Stadtbahn immer heißt, dass wir erst einmal umfassend über den Stand der Planung informieren. Dazu gehört auch, dass wir die bis zu drei geplanten Varianten der Streckenführung in jedem der Abschnitte mit den Bürger*innen diskutieren. Sie sind die Experten in ihrem Stadtteil und kennen daher Details, worauf wir bei der Planung achten sollen. Die Ideen und Wünsche nehmen wir dann für den weiteren Prozess auf und prüfen diese. Eingaben nehmen wir jederzeit auch per E-Mail oder auf den Trassenspaziergängen entgegen. Daneben gibt es einen Online-Dialog. Der Zeitpunkt zur Beteiligung ist genau richtig, weil wir mit Zwischenständen der Entwurfsplanung und nicht mit finalen Konzepten an die Öffentlichkeit gehen. Der Aufwand verlangt auch uns einiges ab. Aber ich denke, er lohnt sich. Es schafft Vertrauen und sorgt für eine bessere Grundlage bei der politischen Entscheidungsfindung. Die Stadtbahn soll eine Stadtbahn für alle Kieler*innen sein.
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Planungs- und Baugesellschaft für die Stadtbahn gegründet
Ein weiterer wichtiger Schritt für die Umsetzung einer Stadtbahn in Kiel ist gemacht – nun wurde die Stadtbahn Planungs- und Baugesellschaft (SPBG) als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Landeshauptstadt Kiel gegründet. Der Grundstein der SPBG wurde durch die Ratsversammlung im März 2025 gelegt.
Für die Position der Geschäftsführung wurden für das Jahr 2026 Christoph Karius und Sebastian Heilmann berufen, die diese Aufgabe jeweils anteilig für ein Jahr zum Aufbau der Gesellschaft übernehmen. Beide sind auch in der Stabsstelle Stadtbahn der Landeshauptstadt Kiel als Projektleiter beziehungsweise Projektsteuerer tätig. Sie nehmen die Tätigkeit zunächst befristet bis zur langfristigen Besetzung der Geschäftsführung ab 2027 wahr.
Mit der Gesellschaftsgründung sollen Planung, Bau und Steuerung der Stadtbahn in einer leistungsfähigen Organisation gebündelt werden. Ziel ist es, die Prozesse schneller umzusetzen und die Planung zu beschleunigen.
Externe Gutachten sowie Erfahrungen aus vergleichbaren kommunalen Großprojekten zeigen, dass Projektgesellschaften komplexe Infrastrukturvorhaben klarer steuern, Schnittstellen reduzieren und Entscheidungswege verkürzen können.

Stadt und CAU beschließen enge Zusammenarbeit bei der Stadtbahnplanung
Die Landeshauptstadt Kiel und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) stellen gemeinsam wichtige Weichen für die Planung der Kieler Stadtbahn. Mit einem Letter of Intent (LOI) betonen beide Partnerinnen die enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung des Projektes. Am Donnerstag, 5. März, unterzeichneten Oberbürgermeister Ulf Kämpfer und Claudia Ricarda Meyer, Kanzlerin der CAU, die Absichtserklärung im Kieler Rathaus.
Der LOI betont die Bedeutung verschiedener Bauvorhaben am Hauptcampus der CAU – so soll unter anderem ein Anschluss des stetig wachsenden „Wissensquartiers Bremerskamp“ in der Inbetriebnahmestufe 1 (IBS 1) der Stadtbahnplanung erreicht werden. In der IBS 1 ist eine Trassenführung über die Olshausenstraße bis zum Bremerskamp entlang des CAU-Campus vorgesehen. Auch weitere Standorte der CAU, darunter die Technische Fakultät am Ostufer, werden in die Planungen einbezogen. Die IBS 1 umfasst rund 12,5 Kilometer Strecke und bildet den ersten Abschnitt des geplanten insgesamt 36 Kilometer langen Stadtbahnnetzes.
Die CAU verfolgt mit dem Zukunftsprojekt „Wissensquartier Bremerskamp“ ein großes Bauvorhaben nahe der zukünftigen Stadtbahntrasse, das Forschung, Lehre sowie studentisches Leben und Wohnen eng miteinander verbinden soll. CAU und Stadt wollen sich bei der Entwicklung dieses Hochschul- und Wissenschaftsquartiers und bezüglich der Einbettung der Stadtbahn in das Gesamtverkehrskonzept der Universität auch in Zukunft eng miteinander abstimmen.
Die IBS 1 als erster Abschnitt des Stadtbahnnetzes steht kurz vor der nächsten Planungsphase, der Entwurfsphase. Mit einer Fertigstellung dieser ersten Ausbaustufe wird bis zur Mitte der 2030er Jahre gerechnet.

Lieferzonen für mehr Verkehrsfluss und Sicherheit
Lieferzonen sind klar gekennzeichnete Bereiche an der Straße, in denen gewerbliche Lieferfahrzeuge zu bestimmten Zeiten halten dürfen, um Waren zu be- und entladen. In Kiel spielen sie eine wachsende Rolle, vor allem in dicht genutzten Quartieren und in der Innenstadt.
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