Gaarden macht sich auf den Weg: Das neue Mobilitätskonzept für Kiels Ostufer

Gaarden steht vor einem tiefgreifenden Wandel – nicht nur sozial und städtebaulich, sondern ganz konkret auf der Straße. Mit dem umfassenden Mobilitätskonzept | Gaarden sollen der Verkehr neu sortiert, Wege sicherer und der Stadtteil insgesamt lebenswerter werden. Ziel ist es, Gaarden zu einem Ort zu machen, in dem sich Menschen gerne aufhalten, sich sicher bewegen und aus vielfältigen Verkehrsmitteln wählen können.

Das Konzept knüpft an bereits bestehende Konzepte, wie das Ostuferverkehrskonzept und die Stadtbahnplanung und ergänzt diese um ganz konkrete Maßnahmen vor der eigenen Haustür.

Warum Gaarden ein Mobilitätskonzept braucht

Gaarden ist besonders: Der sogenannte Umweltverbund – also zu Fuß gehen, Radfahren und ÖPNV – macht hier schon rund 79 Prozent aller Wege aus. Der Stadtteil ist dicht bebaut, viele Menschen sind ohne Auto unterwegs, und der Hauptbahnhof liegt fußläufig in Reichweite. Gleichzeitig gibt es typische Problemfelder: enge Straßen, wild parkende Autos, unübersichtliche Kreuzungen und teils unbequeme, gepflasterte Wege für den Radverkehr.

Die Analyse zeigt:

  • Hoher Anteil an Fußverkehr (35 Prozent) und ÖPNV (29 Prozent).
  • Radverkehr mit etwa 15 Prozent unter dem Kieler Durchschnitt.
  • Motorisierter Individualverkehr mit etwa 21 Prozent vergleichsweise niedrig – aber mit spürbaren Belastungen durch Durchgangsverkehr und Parkdruck.

Genau hier setzt das Mobilitätskonzept an: Es will die Stärken Gaardens – kurze Wege, gute ÖPNV-Anbindung, bestehende Sharing-Angebote – ausbauen und gleichzeitig die negativen Folgen des Verkehrs verringern.

Drei Stufen bis 2035 – mit über 200 Maßnahmen

Das Konzept ist kein kleines Maßnahmenpaket, sondern ein langfristiger Fahrplan bis 2035.

  • Rund 200 Einzelmaßnahmen in sechs Handlungsfeldern (Auto, Rad, Fuß, Freiräume, ÖPNV & Sharing, Parken).
  • Umsetzung in drei Stufen, beginnend mit mehr als 80 „schnellen“ Maßnahmen mit geringem Planungsaufwand bis 2029.

Im Fokus steht die Aufenthaltsqualität: Mehr Grün, bessere Querungsmöglichkeiten, sichere Wege, weniger Durchgangsverkehr – und eine Mobilität, die sich an den Menschen orientiert.

Kiezblocks für mehr Ruhe in den Quartieren

Ein Herzstück der ersten Umsetzungsstufe sind drei sogenannte Kiezblocks nach dem Vorbild der Superblocks in Barcelona.

Betroffen sind:

  • Das Gaardener Zentrum
  • Der Bereich Elisabethstraße / Kirchenweg („ElKi-Kiez“)
  • Das Holsteiner Viertel

Was heißt das konkret?

  • Neue Einbahnstraßenregelungen, um Schleich- und Durchgangsverkehr durch Wohnstraßen zu vermeiden.
  • Neu geordnete Parkstände, damit Gehwege frei bleiben und der Straßenraum klarer strukturiert ist.
  • Berücksichtigung der geplanten Stadtbahntrasse, damit das Gesamtsystem aus Bahn, Bus, Rad- und Fußverkehr sinnvoll zusammenpasst.

Die Idee: Wer im Quartier wohnt, soll sicher und entspannt unterwegs sein – mit weniger Lärm, weniger Gefährdung, mehr Platz zum Leben.

Sicher zu Fuß: Walkability als Schlüssel

Für Gaarden spielt der Fußverkehr eine zentrale Rolle – viele Wege werden zu Fuß erledigt, oft mit Kinderwagen, Rollatoren oder Einkäufen. Entsprechend wichtig ist es, dass die Wege komfortabel und barrierearm sind.

Das Konzept sieht vor:

  • Breitere Gehwege und das Freiräumen von Gehflächen, indem Stellplätze von den Gehwegen auf die Fahrbahn verlagert werden.
  • Abgesenkte Bordsteine an Kreuzungen, um Barrieren abzubauen.
  • Zusätzliche Querungsmöglichkeiten am stark befahrenen Ostring – ohne die Anzahl der Kfz-Fahrstreifen zu reduzieren, aber mit deutlich besseren Übergängen für zu Fuß Gehende und Radfahrende.

Damit wird das Zu-Fuß-Gehen nicht nur sicherer, sondern auch angenehmer – insbesondere für ältere Menschen, Familien und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen.

Mehr Rückenwind für den Radverkehr

Dass der Radverkehr ausbaufähig ist, ist eine der klaren Botschaften der Bestandsanalyse. Zwar ist Gaarden bereits durch Velorouten und bauliche Radwege entlang der Hauptstraßen erschlossen, doch Oberflächen, Führung und Abstellmöglichkeiten sind noch nicht überall attraktiv.

Geplante Maßnahmen:

  • Neue asphaltierte Fahrradstraßen, zunächst auf einem Abschnitt der Norddeutschen Straße.
  • Ausbau und Verbesserung von Radabstellanlagen, insbesondere im Zentrum und an wichtigen Knotenpunkten.
  • Zusätzliche Bike-and-Ride-Angebote an künftigen Stadtbahnhaltestellen.

Ziel ist, das Radfahren als schnelle, komfortable und selbstverständliche Option im Alltag zu etablieren – gerade auf den kurzen Distanzen, für die Gaarden beste Voraussetzungen mitbringt.

ÖPNV und Stadtbahn: Das Ostufer besser anbinden

Gaarden ist heute schon gut an das Busnetz angebunden, vor allem Richtung Innenstadt und Hauptbahnhof. Künftig spielt die Stadtbahn eine entscheidende Rolle für das Ostufer, und das Mobilitätskonzept denkt diese mit.

Vorgesehen sind:

  • Eine geänderte Buslinienführung, bei der Linien zwischen Elmschenhagen und Karlstal künftig über die Röntgenstraße statt den Ostring fahren könnten – der Weg wird kürzer, die Anbindung direkter.
  • Die Stadtbahnführung durch die Elisabethstraße, wird das Zentrum rund um Elisabethstraße, Vinetaplatz und Alfons-Jonas-Platz aufwerten.
  • Gute Verknüpfungspunkte zwischen Stadtbahn, Bus, Rad und Sharing-Angeboten, damit der Umstieg leicht fällt.

Damit soll Gaarden als Knotenpunkt einer vernetzten, klimafreundlichen Mobilität im Kieler Osten gestärkt werden.

Sharing, Carsharing und Parken neu denken

Schon heute gibt es in Gaarden mehrere Stationen der SprottenFlotte, eine Mobilitätsstation und zwei Carsharing-Standorte. Das Konzept sieht vor, diese Angebote auszubauen und besser sichtbar zu machen.

Zusätzlich geplant:

  • Ausbau von Carsharing- und Bikesharing-Stationen an zentralen Orten.
  • Einführung von vier Bewohnerparkzonen, um den Parksuchverkehr und Parkdruck zu reduzieren und den öffentlichen Raum effizienter zu nutzen.
  • Prüfung von Quartiersgaragen sowie die stärkere Nutzung großer Parkplatzflächen in der Nacht für Anwohnende.

So entsteht mehr Ordnung im ruhenden Verkehr und Raum

Mehr Grün, mehr Plätze, mehr Lebensqualität

Mobilität ist nicht nur Fortbewegung, sondern immer auch eine Frage der Stadträume. Das Mobilitätskonzept verknüpft Verkehrsplanung daher bewusst mit der Gestaltung von Plätzen und Grünflächen.

Geplant sind unter anderem:

  • Aufwertung öffentlicher Plätze, etwa durch mehr Begrünung des Vinetaplatzes.
  • Langfristige, grundlegende Umgestaltung des Henry-Vahl-Platzes in den 2030er Jahren.
  • Neue Sitzgelegenheiten, schattenspendende Bäume und eine insgesamt stärkere Begrünung, um den Aufenthalt im Quartier attraktiver zu machen.

Damit soll Gaarden nicht attraktiver werden, sondern sich auch besser anfühlen – als lebenswerter, freundlicher Stadtteil am Ostufer

Beteiligung und nächste Schritte

Das Konzept ist nicht im stillen Kämmerlein entstanden. In einer Online-Beteiligung im Sommer 2024 konnten Bürgerinnen und Bürger ihre Ideen und Hinweise u. a. auf einer interaktiven Karte einbringen, dazu gab es noch weitere lokale Workshops mit Bürger*innen und der Politik sowie eine Befragung der Gewerbetreibenden.

Einige Beispiele für Rückmeldungen:

  • Wunsch nach besser organisierter Parkraumbewirtschaftung.
  • Forderungen nach sichereren Kreuzungen und klaren Fußwegen.
  • Hinweise auf fehlende Radverbindungen oder schlechte Oberflächen.

Mit dem Mobilitätskonzept reagiert die Stadt auf reale Herausforderungen und will durch organisatorische Anpassungen und gezielte Eingriffe die Lebensqualität und Qualität der Mobilität im Stadtteil konkret verbessern.

Was das Mobilitätskonzept für den Alltag bedeutet

Am Ende lassen sich die Ziele des Mobilitätskonzepts Gaarden in wenigen Alltagsszenarien greifbar machen:

  • Kinder, die sicherer zu Schule und Sport kommen, weil Durchgangsverkehr in Wohnstraßen reduziert wird.
  • Ältere Menschen, die mit Rollator oder Rollstuhl einfacher unterwegs sind, weil Bordsteine abgesenkt und Gehwege nicht zugeparkt sind.
  • Berufspendlerinnen und -pendler, die schneller und bequemer mit Bus, Stadtbahn oder Rad in die Innenstadt kommen.
  • Anwohnende, die abends einen Parkplatz im Quartier finden, ohne lange Runden drehen zu müssen.

Gaarden ist bereits heute ein Stadtteil der kurzen Wege – das neue Mobilitätskonzept will dafür sorgen, dass diese Wege in Zukunft sicherer, grüner und angenehmer werden.

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Der LOI betont die Bedeutung verschiedener Bauvorhaben am Hauptcampus der CAU – so soll unter anderem ein Anschluss des stetig wachsenden „Wissensquartiers Bremerskamp“ in der Inbetriebnahmestufe 1 (IBS 1) der Stadtbahnplanung erreicht werden. In der IBS 1 ist eine Trassenführung über die Olshausenstraße bis zum Bremerskamp entlang des CAU-Campus vorgesehen. Auch weitere Standorte der CAU, darunter die Technische Fakultät am Ostufer, werden in die Planungen einbezogen. Die IBS 1 umfasst rund 12,5 Kilometer Strecke und bildet den ersten Abschnitt des geplanten insgesamt 36 Kilometer langen Stadtbahnnetzes.

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